Ausbildung

Tauchlehrerausbildung nach den Richtlinien der HSA

 

Wozu eine spezielle Tauchlehrerausbildung?

            Die Ausbildung behinderter Taucher verlangt grundlegende Kenntnisse der menschlichen Anatomie und Physiologie, der Psychologie und Ursachen von Behinderungen sowie ihrer Auswirkungen auf das Tauchen. Für jeden einzelnen Schüler muss ich individuelle gesundheitliche Aspekte bedenken, die auf die seine Sicherheit und sein Wohlbefinden Einfluss nehmen. Seien es eingeschränkte motorische oder sensorischen Funktionen, Störungen der Wärmeregulation oder der Durchblutung, beeinträchtigte Kontrolle von Darm und/oder Blase, ein verminderter Hustenreflex usw. Der Umgang mit Gehhilfen, Rollstuhl und Kathedern sollte für den Behinderten-Tauchlehrer ebenso selbstverständlich sein wie geeignete Kommunikationsformen mit Blinden und Gehörlosen.

            Eine spezielle Ausbildung fördert das Einfühlungsvermögen in die Bedürfnisse Behinderter, sie nimmt Berührungsängste und ermöglicht es, selbst Erfahrungen im Bereich der Möglichkeiten und Grenzen über und unter Wasser zu sammeln.

 

Messbare Trainingsstandards als objektive Beurteilungskriterien

            Wie die Ausbildung der großen Verbände beruht auch die Behinderten-Ausbildung auf verbindlichen Leistungsstandards, die eine fundierte Ausbildung auf hohem Niveau sicherstellen.

            Bereits vor Beginn eines Kurses muss ich abschätzen können, welche Standards und welche Ausbildungsform für meinen Schüler die richtige und geeignete ist. Während ich einen sportlichen Paraplegiker durchaus im Rahmen eines PADI Open Water Kurses ausbilden kann, ist für einen Contergan-Geschädigten möglicherweise ein HSA-Kurs, den er als Level B-Taucher abschließen kann, die bessere Lösung.

            Die Richtlinien der Handicapped Scuba Association (HSA) beruhen auf über 20 Jahren Erfahrung in der Ausbildung behinderter Taucher. Das Trainings-programm wurde in enger Zusammenarbeit mit den Ausbildungsspezialisten von PADI, NAUI und dem YMCA entwickelt, es unterliegt einer ständigen Überwachung und findet weltweit Anwendung und Anerkennung.

            Die Ausbildung nach den HSA-Richtlinien gibt mir als Tauchlehrer die Sicherheit, meine Schüler stets auf der Grundlage neuester medizinischer und tauchtechnischer Erkenntnissen zu unterrichten.

 

Kursüberblick
            Der HSA Instruktor Training Kurs (ITC) wurde 1986 entwickelt, um der steigenden Nachfrage der Tauchlehrer nach einer qualifizierten Fortbildung zu entsprechen. Der Kurs beantwortet die meistgestellten Fragen zum Unterwasser-Training, er vermittelt viele Jahre fundierter Erfahrung und gewährleistet ein sicheres Verständnis der HSA Leistungsstandards und der Multilevel-Zertifikation.

            Mehr als 1.800 Instructoren in 41 Ländern der Welt, darunter zahlreiche Ärzte, Krankengymnasten und Sportwissenschaftler, haben den HSA Instruktor Training Kurs bis heute absolviert.

            Namhafte Ausbildungsspezialisten, die ein HSA-Training durchlaufen haben, wie Dennis Graver (HSA 0100, NAUI 1103L), Dr. med. Bob Rutledge (HSA 0066, NAUI 5127) und Phil Stelnicki (PADI 3, HSA 0637) liefern regelmäßig exzellenten fachlichen Input zur Weiterentwicklung unseres Trainingsprogramms. Basierend auf den neuesten medizinischen, tauchtechnischen und pädagogischen Anforderungen und Erkenntnissen werden Form und Inhalt des ITC, der Manuals und Leistungsstandards in regelmäßigen Abständen überarbeitet.

 

Kursinhalt
            Der ITC wird von 25 HSA Kursdirektoren weltweit gelehrt. Er beinhaltet rund 10 Stunden theoretischen Unterricht zu den Themen Behinderungsarten und ihre Ursachen, körperliche, geistige und seelische Auswirkungen von Behinderungen auf den betroffenen Menschen, Kriterien der HSA-Zertifikation, Zugänglichkeit von Räumlichkeiten, Tauchgebieten und -gewässern, Überlegungen zur Ausrüstung.             Dieses breite Grundlagenwissen ist Voraussetzung für das Selbstvertrauen, das ein Tauchlehrer braucht, um seinen Schülern ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln.

 

„Die Bedeutung der Theorielektionen kann nicht genug betont werden. Beim Handicap Diving hat es der Tauchlehrer mit einer völlig neuen Zielgruppe zu tun. Der HSA Instruktor Training Kurs vermittelt ein breites Spektrum an medizinischen Grundlagen, das in fundierter, leicht verständlicher Form die ausbildungsrelevante Vorbildung ergänzt.“

 Dr. med. Terry J. Brown, HSA 0792

 

Ausbildung im Pool / begrenzten Freiwasser

            Während des 6-stündigen Pooltrainings erleben die angehenden HSA Instruktoren in Simulationen die spezifischen Schwierigkeiten verschiedener Behinderungsarten über und unter Wasser. Sie erlernen Tauchtechniken, die es Handicap Divern ermöglichen, körperliche Defizite zu kompensieren und entwickeln die Fähigkeit, sensibel auf die besonderen Anforderungen jedes einzelnen Schülers einzugehen.

            Ohne Flossen, mit zusammengebundenen Beinen wird ein Funktionsverlust von Unterkörper, Rücken und Beinmuskulatur simuliert. Als „Paraplegiker“ sind eine Reihe von Skills wie z.B. ein kontrollierter schwimmender Notaufstieg und das anschließende Aufblasen des Jackets mit dem Mund zu absolvieren.

            Die Simulation eines Tetraplegikers bedeutet Funktionsverlust aller Muskelgruppen unterhalb des Nackens. In dieser Übung wird der Tauchlehrer vollständig abhängig von seinem Tauchpartner. Umgekehrt muss er als Partner z.B. einen kontrollierten Abstieg durchführen, indem er die Tarierung beider Taucher kontrolliert. Diese und weitere Übungen vermitteln ihm einen ersten Eindruck davon, welche Anforderungen in der Realität an ihn gestellt werden.

            Der Verlust des Sehvermögens - simuliert durch eine lichtundurchlässige Maske -bedeutet Abhängigkeit vom Tauchpartner hinsichtlich aller visuellen Informationen. Taktile Kommunikation tritt an die Stelle von Handzeichen und das Ablesen der Instrumente. In der Rolle des Tauchlehrers muss der Instruktor seinem behinderten Schüler durch Vermittlung von Angaben zu Tiefe und Tarierungszustand helfen, neutralen Auftrieb herzustellen. Beide Partner werden Notaufstieg und Wechselatmung durchführen.

            Nach Möglichkeit nehmen die Kandidaten an einem Schnuppertauchen mit Behinderten teil. Dieses umfasst einfache Basisübungen wie Schwimmen unter Wasser, das Wiedererlangen des Lungenautomaten, Oktopusatmung und Ausblasen der Maske.

 

„Als PADI-Instruktor sprach mich im vergangenen Januar eine britische Wohlfahrtsorganisation für Rückenmarksverletzte an und bat mich, ein Schnuppertauchen für sie zu organisieren. Im Juni absolvierte ich den HSA ITC in Kiel. Zur Zeit habe ich etwa 100 Schüler."

- Bob Austin, HSA 0984

 

Freiwasser-Training
            Das Freiwasser-Training befasst sich schwerpunktmäßig mit Logistik und Organisation. In einer Gruppe von 3 Teilnehmern übernimmt je ein Instruktor die Rolle des Paraplegikers, des Blinden und des Tauchlehrers. Letzterer ist verantwortlich für die erfolgreiche Durchführung eines 10-minütigen Tauchgangs mit seinen beiden behinderten Schülern. Anschließend werden die Rollen getauscht.

 

Abschlusstest
            Der abschließende Multiple Choice Test nimmt etwa 2 Stunden in Anspruch. Es handelt sich um einen Open Book Test, der den Teilnehmern die Möglichkeit gibt, Fragen untereinander zu diskutieren. Auf diese Weise werden die besprochenen Themen angewandt und vertieft. Die Ergebnisse werden zusammen mit dem Kursdirektor korrigiert und eingehend besprochen.

 

Qualifikation und Eingangsvoraussetzungen

            Der HSA Instructor Training Kurs steht Tauchlehrern, Assistant Instruktoren und Divemastern aller anerkannten Tauchorganisationen und -verbände offen. Nach erfolgreicher Teilnahme werden sie als HSA Instruktor, HSA Assistent Instruktor oder HSA Divemaster brevetiert.

            Der Kurs nimmt 3-4 volle Tage in Anspruch. Er setzt komplette eigene Ausrüstung voraus. Für die Zertifizierung sind der Nachweis der Tauchqualifikation, 2 Paßbilder und ein Versicherungsnachweis, der die Ausbildung behinderter Taucher abdeckt, erforderlich.

            Der Kurspreis von zur Zeit Euro 581,- schließt Manual, Brevetierung und HSA-Mitgliedschaft für das laufende Jahr (nach dem 30.6. für das folgende Jahr) ein.